Die Szene in Oberfranken / Teil III
Flatman
Frankenpower - Steff Porzel trommelt für die Spencer Davis Group
"Keep On Running" - der Hit der Spencer Davis Group von 1966 darf symbolisch verstanden werden. Noch immer tourt deren Gründer rund um den Globus und spielt seine Songs aus der legendären Beat-Zeit.
"Somebody Help Me", "I´m A Man" und "Gimme Some Lovin´" sind den Oldies-Fans sicher noch bestens im Ohr. Begleitet wird er auf seinen Europatrips von einer festen Band, deren Mitglieder alle selbst schon Rockgeschichte geschrieben haben.
Dienstältester ist Eddie Hardin an der Hammond-Orgel, der zusammen mit dem bis 2003 in der SDG tätigen 'Superdrummer' Pete York (heute bei Helge Schneider!) in 'the World´s smallest Big Band' eine eigene Facette in der Rock-Geschichte schillern ließ. Ebenfalls schon sehr lange an Bord sind Bass-Legende Colin Hodgkinson und der Brit-Bluesrocker Miller Anderson (Gitarre).
Cavern Club Auch im legendären Cavern Club in London hat Steff Porzel schon getrommelt.
York´s Nachfolger in dieser All-Star-Band, Steff Porzel, kommt aus meinem Nachbarort im Frankenwald und wird von seinem Kollegen Anderson in einem GoodTimes-Interview schwer gelobt: "...die Band ist stärker, als sie es lange Zeit war. Ein Verdienst von Eddie Hardin und auch vom neuen Drummer Steff Porzel."
(Quelle: GoodTimes Nr. 4/2003, S. 16)
Im Juli war er mit der SDG 'down under'.
Bei den Tourneen trifft er auch regelmäßig auf andere Rockgrößen, die meist unter Kollegen ein sehr entspanntes Verhältnis pflegen. In Oberfranken ist er ein alter Szenebekannter. Hier hat er auch seine eigene Band, das Power-Rock-Trio CHP, mit dem er regelmäßig auftritt. Daneben steht er bei Sessions und als Begleitmusiker (u.a. Miller Anderson, Lisa O´Kane) für andere Künstler auf der Bühne.
Das Heimspiel am 23.10.2005 im Bamberger 'Live-Club' war Anlass, im Vorfeld mal mit dem Schlagzeug-As über seinen 'Job' bei Spencer Davis und seinen Background zu sprechen. Und dazu locker ein paar Bier in gemütlicher Runde zu trinken.
RockTimes: Steff, du bist Drummer der aktuellen Spencer Davis Group. Wie kam es dazu und ersetzt du Pete York nur vorübergehend oder bis du nun festes Band-Mitglied?
Steff: Im Frühjahr 2001 bekam ich einen Anruf von Spencer's Tourmanager, Bernie Zylka, in dessen Band The Chain Gang ich einige Jahre getrommelt hatte. Pete York musste aus Gesundheitsgründen pausieren und Bernie meinte, ich passe gut zur Band. Zunächst habe ich dann für zwei Jahre die 'Vertretung' für Pete übernommen, Anfang 2003 fragte mich die Band dann, ob ich fest einsteigen möchte.
RockTimes: Wie schaut die Zusammenarbeit konkret aus? Tourt ihr nur gemeinsam oder gibt es dazwischen auch Proben und Treffen?
Steff: Im Moment touren wir lediglich zusammen, das aber europaweit, und die letzte Tournee (Sommer 2005) hat uns sogar nach Australien geführt. Proben finden, wenn überhaupt, auf den jeweiligen Tourneen statt. Und weil Spencer Davis in Kalifornien, Eddie Hardin in Frankreich, Miller Anderson in Schottland und Colin Hodgkinson in England leben, beschränkt sich der Umgang dazwischen notgedrungen auf Emails und Telefongespräche.
John Hiseman und Steff Drummer-Kollegen unter sich, John Hiseman und Steff.
RockTimes: Die restlichen Bandmitglieder sind seit Jahrzehnten bekannte Stars, spielten in verschiedenen Bands, die Geschichte geschrieben haben. Wie ist das Verhältnis untereinander und fühlst du dich, als dazu relativ unbekannter Neuzugang, voll aufgenommen?
Steff: Es verblüfft mich zwar immer noch, aber die Band hat mich vom ersten Moment an voll und ganz akzeptiert. Es gab bisher nicht einen einzigen Moment, in dem ich mich in irgendeiner Weise untergebuttert fühlte oder in dem mir einer in der Band zu verstehen gab, dass die letzten vierzig Jahre auch ohne mich stattgefunden hätten. Unser persönliches Verhältnis untereinander kann man vielleicht als rau, aber herzlich und als sehr freundschaftlich bezeichnen. Vielleicht ist das auch für mich der entscheidende Faktor innerhalb des Tourlebens. Da sitzt man wirklich mehr aufeinander als nebeneinander, und ich möchte nicht sechs Wochen mit Leuten in einem Tourbus eingesperrt sein, die ich nicht mag.
RockTimes: Wie ist dein Werdegang als Musiker und was ist deine eigentliche Stilrichtung?
Steff: Die Faszination für das Schlagzeug war bei mir schon als Kind stark vertreten. In meiner Internatszeit gab es eine 'Hausband', der hab ich den Schlüssel zum Proberaum geklaut, den Unterricht geschwänzt und geübt. Nach meiner Lehre bekam ich dann das erste Angebot einer professionellen Band und bin jetzt seit mehr als zwanzig Jahren im Geschäft. In einer so langen Zeit lernt man eigentlich alle Klischees zu bedienen, aber wenn ich die Wahl habe, zieht es mich immer wieder zum Blues oder Bluesrock zurück. Im Moment bin ich mit Spencer Davis Group, CHP und Rupp Aumüller's 'Bamberg Allstars' unterwegs.
Spencer Davis Group Ein Frankenwäldler gibt den Beat für Spencer Davis vor.
RockTimes: Du stammst aus Steinwiesen im Frankenwald und lebst nun in Bischberg bei Bamberg, also noch in der Nähe. Wie ist dein persönliches Verhältnis zwischen der fränkischen Heimat und der weiten Welt, in der du dich nun vor allem mit der Spencer Davis Group bewegst?
Steff: Ein sehr enges. Und da ist es manchmal schon fast egal, ob man unterwegs ist oder daheim. Die Oberfranken expandieren nämlich in aller Stille, und unterwegs treff' ich sie überall. Wer weiß schon, dass zum Beispiel Jazzdrummer Wolfgang Haffner, für mich einer der ganz großen Trommler, aus Wunsiedel kommt. Oder dass der Lichttechniker von Haindling, Status Quo und einer Menge anderer, ein Bamberger ist. Oder dass der Monitormann von Wir sind Helden auch um die Ecke wohnt. Wenn Wolfang Petry im Ruhrgebiet Stadien füllt, stehen Bamberger am Mischpult. Auch Uwe Bossert, der Gitarrist von Reamon ist unterm Bamberger Dom aufgewachsen - Wir sind überall, es weiß nur keiner. Ein gigantischer Vorteil!
RockTimes: Die Musik ist dein Hauptberuf, kannst du davon gut leben oder hast du noch Nebenjobs?
Steff: Das Trommeln ist mein Beruf und ich lebe zur Zeit ausschließlich davon. Zwar nicht wie Rockefeller, aber ich komm' ganz gut klar.
RockTimes: In wie weit führst du zwischen den Tourneen ein 'normales' Leben oder ist dein Tagesablauf so von der Musik geprägt, dass daneben kaum Zeit für andere Dinge (z.B. Familie, Hobbies, Urlaubsreisen) bleiben?
Steff: Wenn ich nicht unterwegs bin, stehen an allererster Stelle meine Kinder. Und dann kommt lange, lange gar nichts. Es kocht nämlich keiner so gut Spaghetti wie ich. Hobby und Beruf sind eh immer schon eins gewesen, und die Planung von Urlaubsreisen überlasse ich meiner Frau. Ich sehe ja auch ohne Urlaub viel von der Welt.
Na dann, Steff, weiterhin alles Gute 'on the Road' und einen guten Heim-Gig mit der Spencer Davis Group am 23. Oktober im Live Club! Die weiteren Termine finden sich unter den Tourdaten.
Wer mehr über die Spencer Davis Group und das Leben 'auf Tour' wissen möchte, sollte sich mal auf Steffs Website (Link siehe unten im Linkblock) einklinken.


Norbert Neugebauer (Fotos: Steff Porzel privat/SDG), 09.10.2005