Warum zieht es einen Schweizer Singer/Songwriter nach New Orleans? Wegen der Liebe oder der Musik? Bei Andi Hoffmann war es die Liebe zur Musik. Schon zuhause hatte er 1989 ein Bandprojekt B-Goes und spielte u.a. mit dem Blueser Hank Shizzoe. Doch dann wurde es ihm zu eng im 'Alten Europa' und er reiste 1993 durch die USA. In der Musikmetropole blieb er dann, wie so manch anderer, hängen, lebt seitdem dort und hat auch eine neue B-Goes-Band.
Vier CDs hat der Sänger und klasse Gitarrist seitdem mit seiner Band eingespielt, teilweise unterstützt von bewährten Kollegen aus dem 'Big Easy' und aus Louisiana. Er nennt seinen Stil 'Organic Rock', der einige der klassischen Zutaten seiner neuen Heimat beinhaltet, sprich vor allem Cajun, Swamp Pop und karibische Rhythmen. Also eine in der Grundstimmung optimistische, fröhliche Musik, in die er seine Texte packt. Die drehen sich natürlich auch um die verrückte Stadt und das umgebende Bayouland - aber meistens um die Liebe.
Inzwischen tritt Hoffmann regelmäßig mit seinen B-Goes in verschiedenen US-Bundesstaaten auf. Seine alten Fans hat er jedoch nicht vergessen und so tourt er jedes Jahr durch die Schweiz und durch Deutschland. Mittlerweile kennt er wohl jeden Club landauf, landab, hat aber auch schon bei den bekannten Rother Blues Tagen 2006 aufgespielt.
Da derzeit wieder eine Europatour
ansteht, will ich in meiner amtlichen RockTimes -Eigenschaft als New Orleans -Beauftragter unseren Lesern das letzte Studio-Album "Living In The Big Wide World" (2003) von Andi Hoffmann & B- Goes vorstellen.
Neben Elisabeth Gill (vocals, percussion) und Thomas McDonald (bass) vom aktuellen Line-up hatte Hoffmann dafür eine ganze Riege von Gastmusikern um sich geschart, die ihm eine abwechslungsreiche Produktion ermöglichte. "Exit 20" ist ein ungewöhnlicher Einstieg. Ein Vibraphon gibt die hingetupften Melodie vor, dazu nur eine Snaredrum und Hoffmann mit Sprechgesang. Doch nach und nach steigen Bass, Hammond, Chorgesang und auch seine gekonnt gespielte Slidegitarre ein. Das klingt ähnlich wie eine Mischung aus Lou Reed, Continental Drifters und J.J. Cale. Mit "Riding To New Orleans" haben wir dann den typischen Band-Groove. Da sind einerseits die fröhlichen Rhythmen (hier eine adaptierte 'Second Line'), angereichert mit allerlei instrumentalen Farbtupfern und Wechselgesang, aber das Ganze klingt trotzdem ausgesprochen laid back. Ohrwurm und Tanzmucke gleichermaßen, ein klasse Song!
Kontrastprogramm auch beim Titeltrack, der als sparsam instrumentierter Reggae aufmarschiert. Der Text ist eigentlich ein Lovesong: »Was schert mich, was die Regierung sagt, solange ich mit dir zusammen bin und die große Welt auf uns wartet«. Aber was soll dazu die eingespielte Rede Martin Luther Kings? Gerade in New Orleans gibt es ein großes soziales Gefälle zwischen den Rassen und deshalb singt Hoffmann am Ende: »I wish it all to you folks, you will experience the same«.
"El Rancho Hotel" erzeugt Borderline-Stimmung, ein kleines musikalisches Road Movie, bei dem Hoffmann seiner Stimme zur Abwechslung mal einen leicht heiseren Touch verpasst. Dann wieder der gepflegte Exotic-Groove mit "Crystal Water" und dem in schweizerisch gesungenen "I Liebe Di Fuer Immer" mit Calypso-Styling. Na ja, so ganz passt das doch etwas lahm klingende Schwyzerdütsch nicht gerade zum pulsierenden Off-Beat.
Das poppige "Fingertips" erinnert mich sehr an "Upside Down" (2006) von Jack Johnson, klingt aber interessanter (wer hat wohl von wem ...?). Dann kommt mal wieder das Bottleneck zum Einsatz und es rockt auf gemäßigter Basis ("See It In Your Eyes"). Bei "Kangaroo Café" (ein Pub in NO) erzählt Hoffmann eine leicht seltsame Unterwegs-Story und erinnert dabei auch von der Instrumentierung her an Jackson Browne. Seine eigene Geschichte steckt in "Travel Till I Die" und die rauscht auf einem fetten Slide-Brett vorbei. Mit einem einfach gestrickten Lovesong klingt das Album in der karibischen Abendsonne fein akustisch aus.
Es hat mich mit reichlich 'positive vibrations' aufgeladen. Ich hätte jetzt verdammte Lust, mit dem nächsten Flieger nach NO zu düsen und mich mit einem eiskalten 'Amber' aus der Abita Brewery an die nächste Straßenkreuzung im French Quarter zu setzen oder bei Pia einen ihrer gepflegten Margaritas auf der Veranda zu zwitschern! Aber jetzt kommen Andi Hoffmann & B-Goes ja erstmal rüber und bringen hoffentlich auch eine große Portion 'Big Easy'-Feeling mit.
Im vergangenen Jahr nahm die Band bei ihrem Europatrip den Konzertmitschnitt "Live in Gruetli" auf, der mit seinem Querschnitt durch das gesamte Repertoire viel Spaß und Lust auf die anstehenden Gigs macht. Wie sich der Schweizer mit seiner Band aus New Orleans live im Folkclub Isaar
am 12.03.2007 präsentiert hat, darüber werde ich natürlich in RockTimes berichten.
| Tracklist |
01:Exit 20
02:Riding To New Orleans
03:Living In the Big Wide World
04:El Rancho Hotel
05:Christal Water
06:I Liebe Di Fuer Immer
07:Fingertips
08:See It In Your Eyes
09:Kangaroo Café
10:Travel Till I Die
11:You Are The Sunshine In My World
|
|
Externe Links:
|